Freitag, 30. Juni 2017

Auf zu neuen Ufern

Der Juni war nicht zum Schreiben da, der Juni war zum Packen da.
Gewiss zum Kritzeln und für neue Ideen, doch verborgen hinter vollen Kartons und so manchen Farbeimern reichte die Zeit nicht für geistreiche Gedanken.
Man muss manchmal auch einfach die Hände sprechen lassen und neue Pläne schmieden, um sich weitertreiben zu lassen.
Im Juli geht es weiter, hoffentlich fröhlich, spannend, literarisch und heiter.

Dienstag, 30. Mai 2017

Hinter Bergen von Trümmermeeren liegen oft die schönsten Dinge verborgen

«Und die Meere», sagte das Einhorn wie von einem Blitz aus seiner träumerischen Lethargie gerissen, «entstammen sicher auch nicht aus den Bergen, sondern kommen wohl eher aus euren unendlichen, menschlichen Tränenmeeren. Die Liebe, die Liebe und immer die Liebe.
Wie schafft ihr Menschen es nur schon seit Jahrtausenden, dieses ewig gleiche Gejammer zu ertragen?»

«Aber es gibt doch aber auch Menschen, die sind ewig zusammen», entgegnete ich auf seine etwas gar verspätete Antwort auf meinen Liebeskummer.

«Es gibt auch Menschen, die können einen Purzelbaum machen», war seine Antwort und wollte meiner Tirade anscheinend mit einem Reim ein Ende machen, denn er ließ sich nur ungern von menschlichen Problemen aus seiner Traumwelt entführen.
«Was weißt du schon von deinem komischen Planeten?», fragte ich schmollend und wollte doch nur seinen kosmischen Rat.

«Wir schweben auf Gaswolken auf meinem Planeten. Dort in der Schwerelosigkeit machen wir uns keine Sorgen. Wir denken nicht ständig den ganzen Tag an morgen und schon gar nicht erst an übermorgen», antwortete es verträumt in Erinnerungen schwelgend an seinen weit entfernten Heimatstern.
Ich geriet bei seinen Worten förmlich mit ins Schwelgen und fragte:
«Nimmst du mich mit auf deinen schwerelosen Planeten? Wie herrlich wäre es auf Gaswolken zu schweben.»

«Das geht leider nicht, mein treuer Freund, denn du hast schon einen eigenen Planeten und auch er hat dir herrliche Dinge zu bieten. Ihr habt den Wind, die Sonne, das Meer, und auch habt ihr die Berge und auch die sind gar nicht so fern.
Schau nur genau mit deinem Herzen, dann kannst auch du dich in einem Zustand der Schwerelosigkeit bewegen, anstatt dich mit düsteren Gedanken zu quälen und ständig mit deinem Kummer zu plagen.»

Nun konnte ich meinen phantasievollen Freund, dem Einhorn, nicht mehr folgen.
«Wo bitte soll das denn sein?», fragte ich verdutzt.
«Diesen Ort kann es auf dieser Welt nicht geben, ohne mit ein paar Wundermitteln nachzuhelfen.»
«Dein Kopf steckt in einer Spirale von Trübsal fest und lässt dich verschlingen von sinnlosen Gedanken. Sie kreisen irgendwo in einem luftleeren Raum, in denen die schönsten Gedanken keine Möglichkeit zum Atmen haben und sich in herrlichen Dingen zu entfalten», sinnierte es.
«Was schlägst du vor? Was soll ich tun?»
Seine philosophischen Ergüsse konnte ich nicht mehr lange ertragen. Ich wollte nun endlich meine Antwort haben.
«Du musst dich wieder auf dich besinnen und dich nicht in verlorenen Romanzen verrennen oder wehmütig unerfüllten Träumen nachtrauern, während auf dieser Welt die Zeit ohne dich weiter rennt und dich ganz bestimmt nicht eines Tages fragen wird, wenn du alt und grau vom ganzen Grübeln bist, ob du nochmal eine Runde leben willst.
Die Welt hat noch unendlich mehr zu bieten, als nur die Trauer um verlorene Lieben.»

Nun bekam ich es aber mit der Angst zu tun. Hatte ich nicht schon gar allzu viel Zeit verloren?
«Zeigst du mir die Wunder, die mich befreien?», bat ich das Einhorn und hoffte mich von der Leere, die in mir herrschte, dadurch wieder loszusagen.
«Sie liegen eigentlich alle vor deinen Augen, doch diese sind vor lauter Gedankenquälerei für diese wunderbaren Bilder blind geworden. Wir können gerne gemeinsam eine Reise in die Welt unternehmen und ich helfe dir den Nebel zu lichten und wieder zu sehen.  Dafür müssen wir gar nicht mal sehr weit reisen, denn wir können eigentlich gleich hier beginnen.»

So verliessen wir das Haus an diesem goldenen Septembermorgen und ich machte mich auf, auf eine unbekannte Reise.

Wir machten Halt auf einer sonnigen Bank, an einem Waldrand und blickten auf die Felder in der Ferne.
So sassen wir eine schweigend dort. Schließlich fragte das Einhorn: «Sag mir, was du siehst. Was geht wohl in dir vor, wenn du auf dieser Bank Waldrand sitzt?»
«Ich sehe die Felder, die Sonne, den Wald.» Was mehr sollte ich sagen? Wir sassen einsam auf einer Bank, die Stadt in der Ferne. Viel gab es hier nicht zu sehen. Wollte mich das Einhorn in der Einsamkeit und der Stille mit meinem Kummer quälen?
«Du bist gefangen in deinem Kummer. Nun öffne nicht nur die Augen, sondern auch deine anderen Sinne. Wir gehen jetzt gemeinsam auf eine Reise. Bist du bereit und nimmst dir die Ruhe und die Zeit?»
Und so versuchte ich mit allen Sinnen seinen Worten zu folgen.

Das Einhorn begann mit unserer Reise:
«Wir sitzen nicht nur auf einer Bank und schauen in die Ferne, in eine Leere.
Wir sind Teil dieser Erde und schauen dem Wolkenspiel am Himmel zu. Auch sie sind auf einer Reise, vielleicht in entfernte Länder. Dort von oben am blauen Himmel sagen sie auf ihrem Weg uns beiden hier unten kurz «Hallo».»

Gedankenverloren betrachtete ich das Wolkenspiel. Auf welchem Weg waren sie wohl? Das hatte ich mich noch nie gefragt. Das Einhorn erzähle weiter.

«Spürst du die wärmenden Strahlen auf deiner Haut? Die Sonne grüsst uns damit weit entfernt aus eurer Galaxie, der Milchstrasse zu. Sie steht bereits tief und erinnert euch daran, dass die Jahreszeiten sich bald die Hände geben und zumindest auf dieser Erdhalbkugel eine neue Jahreszeit einläuten.
Ohne Hast, denn sie schenkt euch dieses Jahr einen goldenen Herbst und einen schleichenden Abschied vom herrlichen Sommer.
Und so erinnert uns die Sonne auch an eine Reise, denn sie gehört eben nicht nur euch, sondern dem ganzen Universum und so dreht die Erde sich Jahr für Jahr weiter und die Sonne kann die andere Seite eurer blauen Erde grüssen und eine neue Jahreszeit alle Jahre wieder einläuten.
Spürst du bereits den feinen, lauen Wind auf deiner Haut? Siehst du die langsam rot werdenden Baumkronen, die ihre Farben wechseln, um sich schliesslich endgültig von ihren Blättern zu trennen? Riechst du den Duft des Laubes, den euch nur der herrliche Herbst schenkt, um eure Sinne noch einmal vor dem Winter zu belohnen?
Dies ist kein Abschied für ewige Zeiten. Dies sind einfach nur die Jahreszeiten.»

Ich sog die Luft in meiner Nase auf, ich nahm mit meinen Augen die bunten Herbstfarben auf. Wie war ich nur so blind geworden? Wieso konnte ich nicht selber am Waldrand auf einer Bank in der Natur verweilen und anstatt zu Grübeln und zu Trauern einfach nur meine Sinne mit dieser wunderbaren Natur belohnen?

«Doch bald kommt der Winter und mit ihm die Dunkelheit», überkam mich plötzlich der düstere Gedanke und teilte ihm dem Einhorn mit.

«Siehst du das Blatt, was durch die Lüfte weht? Es will uns vielleicht sagen, es will sich seinem Schicksal noch nicht beugen, möchte noch ein kurzes Tänzchen Richtung Himmel machen, noch ein bisschen die Welt entdecken, in Einklang mit den Winden schweben, auch die Elemente spüren, bevor es sich in den ewigen Winterschlaf auf die Erde niederlegt.»
Ich folgte ihm mit meinem Blick, dem rötlich leuchtenden Blatt, das der Baum schon abgeschüttelt hatte und nun auf die Erde fallen sollte. 
Ein Blatt, das seinem Schicksal trotzte, das noch die Welt entdecken wollte?
Es schien tatsächlich schwerelos im Wind zu tanzen und immer wieder neuen Auftrieb in luftige Höhen zu finden. Ich folgte dem Blatt noch eine Weile mit den Augen im Winde gleiten, bis es mit einer letzten, grossen Windböe noch einmal in die Lüfte sauste und dann schließlich sanft in einem bunten, herbstlichen Blätterhaufen zur Ruhe legte.

«Wie gerne wäre ich das Blatt gewesen, um mich einmal schwerelos im Winde zu bewegen», sagte ich verträumt zum Einhorn.
«Du kannst auch mit deinen Sinnen fliegen, deine Probleme dem Wind übergeben. Er trägt ihn fort an einen anderen Ort und du bleibst hier auf deiner Bank», entgegnete das Einhorn.

Der Wind wehte sanft durch mein Haar, zog über die Felder mit unbestimmtem Ziel. Warum waren meine Sinne so lange versteckt? Waren sie im Winterschlaf und hatten vergessen wieder zu erwachen?

«Nun richte den Blick zu den Bergen, dort in der Ferne», sagte das Einhorn.
Ich tat, was mir mein weiser Freund aus einer fremden Welt nun sagte.
«Ja, diese Berge. Sie schränken meinen Blick und meine Sicht auf die Welt ein.
Ich habe manchmal das Gefühl ein Gefangener zu sein. Mein Blick ist getrübt, ich liebe das Meer.»

«Doch denke weiter. Was wartet noch auf dich? Hinter diesen Bergen sind nicht die 7 Zwerge. Dort wartet das Meer und ist es auch jetzt im Moment entfernt so schließe deine Augen und benutze die Fantasie.
Spürst du die Brise, hörst du da Rauschen? Benutze auch deine Ohren und versuche zu lauschen.
Es gibt Zeiten, da möchte man sich verkriechen, doch mit viel Fantasie kann man ihnen entfliehen. Du kannst überall sein, wo du nur willst.
Tanzen am Stand oder in den Wellen reiten. Man muss nicht immer die ganze Welt umrunden, um für ein paar Stunden ein wenig Glück zu finden. Entweder in der Fantasie oder direkt vor deiner Tür. Denke nicht so viel, denke nicht immer an das Ziel.
Auch auf einer Schaukel durch die Lüfte schweben, wieder Kind sein und diese Freiheit spüren kann schon manchmal das grösste Glück auslösen, sonst kann man nicht ausgelassen dabei lachen, was ihr Menschen als Kinder immer gemacht habt. Das Erwachsen werden beraubt euch aller Fantasie. Du weißt, dass nichts von deinen Wünschen vom Himmel fällt. Wäre die Erde ein friedlicher Ort, dann wäre sie voller Einhörner, Frieden und Gold. Doch du bist nun mal auf einem Planeten geboren und da sind diese Dinge nicht gegeben. Ich weiß nicht wie lange es noch braucht, bis ihr merkt, dass es einfach nur Zusammenhalt baucht.»

Das Einhorn war plötzlich weg, bemerkte ich mit Schreck. Hatte ich etwa nur phantasiert?
Doch auch mein Kummer war plötzlich fort und ich fühlte mich in diesem Moment von allen unnötigen Sorgen befreit.
Hier in der Natur schöpfte ich Mut.
Das Einhorn hatte recht. Was sind schon sinnlose Sorgen?
Sie verderben dir nur die Freude auf den nächsten Morgen.
Vielleicht mit Sonnenschein und neuen Menschen.
Nicht mit alten Lasten und ständigem Grübeln, sondern mit neuen Geschichten und lachenden Gesichtern.



Montag, 15. Mai 2017

Noch einmal die Arche Noah erfinden und diesmal nicht mehr im Chaos versinken?

«Welche Tiere kommen nicht mehr wieder, hattest du gesagt? Etwa die Dinosaurier?»

«Natürlich die Dinosaurier. Die sind schon seit 65.000 Jahren auf diesem Planeten längst ausgestorben und auf keinem Fleckchen mehr vertreten. 
Doch vielleicht auch schon bald die Affen, Schmetterlinge und Giraffen, wenn wir ewig so weitermachen.
Wir sind Egoisten auf diesem Planeten. Er gehört nicht nur uns allein, doch das sehen wir einfach nicht ein. Wir haben zu viel zu tun mit anderen Dingen.
Ressourcen verbrauchen, giftige Gase in die Atmosphäre blasen und unseren ganzen Müll irgendwo bei den Walen im schönen Ozean abladen.
Dort schwimmen schon zwischen bunten Korallenriffen riesige Müllinseln, doch dort kann kein Mensch wohnen. Davor möchte man selbst seinen schlimmsten Feind verschonen.
Also was tun?
Von dieser Welt können wir nicht fliehen. Auf dem Mond lässt es sich nämlich schlecht leben.
Vielleicht nochmal eine Arche Noah bauen?
Von jeder Sorte diesmal ein paar mehr mitnehmen?
Man muss ja nicht gleich so drastisch sein und von jedem Lebewesen nur zwei mitnehmen.
Ich finde man könnte diesmal ein paar mehr grüne Karten verteilen und dann die Erde mit der nächsten Sintflut überschwemmen.
Dann können wir noch einmal von vorne beginnen und sehen, ob wir etwas Besseres zustande bringen.
Ohne Hass und ohne Kriege, Egoismus und Narzissmus.
Mit mehr Frieden auf der Welt.
Mit mehr Liebe zur Natur.
Nun mag das klingen, wie eine pazifistische Hippie-Utopie und du wirst dich vielleicht fragen:
Hat die sich den Kopf gestossen?
Doch lieber so als andersherum.
Lieber so und mit ein bisschen Humor, anstatt mit falschen Menschen, die im Moment die Welt regieren und die falschen Gedanken in so manche Köpfe setzen und damit unsere Welt noch mehr verletzen.
Es braucht mehr Menschen, die positive Gedanken in die Welt freisetzen, sie in die Welt posaunen und sich nicht scheuen, vielleicht auch mal Kritik zu ernten.
Freidenker, nicht Machterkämpfer.
Weltverbesserer nicht Besserwisser. Davon hat die Welt nun wirklich genug.
So lernen wir vielleicht neue Wege zu gehen.
Brechen so endlich auf in bessere Zeiten und verlaufen uns nicht in dieser verwirrenden Epoche, die uns nur bremst und unsere Welt in ihrem Fortschritt hemmt, weil die Kriege einfach nicht enden und so viele Menschen nicht umdenken.
Love, peace and happiness. My statement for the day. Die 70er Jahre sind schon viel zu lange vorbei.»   



Montag, 1. Mai 2017

Die Freiheit und ihre kleine Schwester die Einsamkeit

In der Natur verweilen, nur dem Meeresrauschen lauschen.
Die sieben Sachen packen und ohne Zwänge auf unbekannten Wegen schreiten.
Die Gedanken sind frei, denn man ist nicht zu Zweit.
Nur der Wind rauscht seine Melodie, mit der auch die ewigen Sorgen verfliegen.
Mit dieser Freiheit im grossen, weiten Universum, fühlt man sich so wunderbar unantastbar und schreitet mit einer Leichtigkeit, manchmal naiv den Trubel der Welt vergessend, verträumt die Realität versäumend, seiner Wege.

Aber kann selbst ein Eigenbrödler ewig das Glück in der Einsamkeit finden?

Man kann zwar auch einsam zu Zweit sein, denn die grosse Liebe war dann doch die Niete.
Aber das wiederum ist eine andere Geschichte und das Pech der Liebe.
Doch was ich eigentlich sagen will ist:
Ewig einsam sein, das kann kein Mensch sein, aber auch alleine frei gewesen sein, das sollte einmal jeder Mensch im Leben.

In dieser Ruhe liegt eine Kraft verborgen und um dieses Geheimnis zu entschlüsseln muss ein jeder in sich selber gehen.

Man muss ja nicht gleich in den Urwald gehen und sich jahrelang von exotischen Pflanzen ernähren.
Den Mogli spielen und nur noch mit Tieren reden.
Die Stille kann man in sich selber finden, doch das braucht Kraft, denn in sich selber sieht man tausende Bilder.
Die Bilder des Lebens von Schwäche Verlust und Verdruss.
Natürlich aber auch das Kribbeln und die Unruhe nach Liebe und Besitz.
In einem Königreich zu erwachen wie in 1001 Nacht.
Das wäre doch was, wer hat nicht einmal daran gedacht?

Doch einfach mal dazusitzen und zufrieden zu sein, mit Sonnenschein und nur mit sich allein?
Diese Wohltat für die Seele sollte nicht nur ein Kunststück der buddhistischen Mönche sein.

Hat man diese Kraft in sich gefunden ist man gewappnet für diese konfuse, schnelllebige Welt und ist von nun an sein eigener, innerer Held.

                                                                                                                                         

Sonntag, 16. April 2017

Danke Einstein, dass Dank dir alles relativ ist

Mit dem Kopf durch die Wand und mit 200 Sachen durchs Leben.
Immer in Bewegen bleiben und die Welt erobern.
Königin sein in seinem eigenen Reich, seine eigenen Regeln machen und laut die Anarchie ausrufen.
Nirgends zu Hause sein und doch überall.
Immer recht haben und meistens auch nicht.
Niemandem glauben, weil man alles schon weiß.
Die Welt zum Strahlen bringen mit einem Lächeln und im nächsten Moment töten mit einem Blick.
Geld verprassen, was man nicht hat, weil der Moment gerade zählt und alles andere nicht.
Alles lieben und im nächsten Moment hassen nur aus kindlichem Trotz.
Das Leben lieben und planlos sein, weil Pläne einfach stinken.
Nichts verstehen, aber alle Antworten suchen.
Alles machen und nichts bereuen.
Niemals an morgen denken, denn wer hat schon die Tage erfunden?

Oder Pläne machen und Pläne haben.
Sesshaft werden und Bäume pflanzen.
Immer sparen, denn die Zukunft ist ja lang
Immer „ja“ sagen und niemals „nein“.

Wer hat denn nun recht mit seiner Philosophie?
Niemand hat recht, denn das Leben kennt nur Fragen.

So bleibt mal wieder alles offen und das ist auch gut so, denn ansonsten wären wir ja auf einem anderen Planeten und nicht auf der verrückten kleinen, großen, blauen Kugel mit der absurden, schrecklichen, schönen Aufgabe, genannt „das Leben“.

Aber seit dank Einstein alles relativ ist, stehe ich auf der Seite, wo die Probleme immer klein erscheinen.
Und wenn sie wieder größer werden, dann wende ich die Physik an und bewege meinen Körper einfach zurück auf die andere Seite, wo wieder alles ein bisschen kleiner erscheint.
Da sollen mir meine Lehrer von damals noch mal erklären, warum sie mich so schlecht benotet haben in der Wissenschaft, genannt Physik, die ich doch nun bewiesenermaßen so tadellos beherrsche.  

Danke Einstein, für deine Theorie. Ich weiß zwar nicht, ob du das damit im Sinn hattest, aber das fachliche Streitgespräch müssen wir wohl auf später verschieben, denn ich habe ich noch etwas Wichtiges vor.
Es ist eben dieses verrückte Leben, nach dem die Menschen so unsagbar streben.

Doch ich lebe nach meiner eigenen Philosophie und stehle mir ein bisschen von deinem Gedankengut dafür.


Und falls auch deine Relativitätstheorie nichts mehr nützt, hilft manchmal nur noch ein Prosecco auf Eis.

Freitag, 24. März 2017

Die kleine, süsse, räuberische Katze und das Tier mit Namen "Mensch"

Es war einmal eine Katze, die schlich durch die Nacht. Sie jagte eine Maus, für die war es dann aus.

Dann gibt es die Sorten von Menschen, die schleichen auch durch die Nächte. Durch kleine Kellerfenster, landen sie in fremden Häusern. Auch für ihre Bewohner ist dann ganz unverhofft das Leben plötzlich aus.

Doch haben diese grausamen Menschen dabei leider eines vergessen, nämlich ihr menschliches Gewissen. Sie sind keine kleinen Katzen mit animalischen Instinkten.

Zwar war es traurigerweise auch für die kleine Maus der letzte Atemhauch. Doch der Mensch ist kein Tier und das vergisst er leider viel zu oft. Er meint er sei ein Krieger auf dieser schönen Welt und fühlt sich dabei auch noch ganz stolz als grosser Held.

Wann erreichen wir endlich die Stufe vom Neandertaler zum Menschen? Stammen wir ganz sicher nicht von dieser ausgestorbenen Horde ab mit ihren hölzernen Keulen, wenn man sich so umsieht auf unserem chaotischen Planeten? Und wenn es denn so wäre bin ich mir sicher, dass kein grandioser Wissenschaftler zu errechnen wüsste, wann es so weit wäre.

So leben wir weiter in dieser sonderbaren Illusion, wir seien die höchste Spezies auf Erden, doch so schön wir es auf dieser blauen Kugel auch haben, diesen absurden Gedanken können wir gleich mit unserem unnötigen Liebeskummer, Gedankenkreisen, der sinnlosen Suche nach dem Sinn der Dinge und den unbezahlten Rechnungen begraben.

Dienstag, 14. März 2017

Meine kuriose Suche nach einer Formel für die Welt

Um die Welt zu entziffern musste man sich lediglich mit Zahlen auskennen, denn alles beruhte anscheinend auf der leidigen Wissenschaft der Mathematik. Zu dumm nur, dass ich genau die einfach nicht verstand. Der Hippocampus war im Eimer. Keine Synapsen waren verbunden damit.

Ich musste im Kreißsaal fallen gelassen worden sein, dass ich mit Zahlen, seit ich denken konnte, einfach nicht mehr anfangen konnte, als ein Faultier mit einem Rennrad. So sehr ich mich auch anstrengte, da war einfach nichts an Logik und Verständnis herauszuholen, aus diesem Zahlenwirrwarr. Es war wirklich frustrierend.

Nach reiflicher Überlegung zu den Ursachen dieses Unverständnisses, war ich zu dem Schluss gekommen, dass Mathematik keine Wissenschaft war, ja keine Wissenschaft sein konnte. Sonst hätte ich sie doch verstanden, oder?

Kein Wunder war ich immer so verwirrt und so blieb mir ja quasi nichts Anderes übrig, als es zu nicht-wissenschaftlichem Hokuspokus zu erklären und war gut raus aus dieser Nummer. Mein universelles Gleichgewicht war somit wiederhergestellt. Mit etwas Bedeutsamen, geschweige denn Sinnvollem für die Welt, sah es nun allerdings schwierig aus.

Die Astrophysiker würden mich sicher kaum nehmen, wenn ich ihnen sagte, dass ich nicht einmal die Bruchrechnung konnte. Die Naturwissenschaften konnte ich wohl abhaken. Blieben mir nur noch die Geisteswissenschaften, um über Gott und die Welt zu philosophieren. Oder Verschwörungstheorien. Innenpolitisch sowie aussenpolitisch und universell gab es ja genug Nährboden und an Anhängern würde es mir sicher nicht mangeln.

Falls also alles aus dem Ruder geriet dann war Plan Z eben, eine Sekte zu gründen. Na ja, Schwamm drüber, es war ja nicht meine Schuld, dass mir die Optionen fehlten.
Das Schicksal, das Universum, die Welt, die Hebamme. Man konnte immer jemand anderem für seine Misere die Schuld geben und das fühlte sich doch super an, oder?

Aber irgendwie wurmte es mich doch. War ich nicht vielleicht doch in der Lage, auch etwas auf die Reihe zu kriegen? Einen Versuch war es wert. Doch zuerst musste ich mich schlau machen.

Was machten die anderen richtig, wo ich total versagte?

Spionage ist fast so alt wie das älteste Gewerbe der Welt, also bediente ich mich ein bisschen im grossen Netz. Es wurde interessant, denn ich stieß bei meinen bahnbrechenden, wissenschaftlichen, weltverändernden Studien über die Mathematik auf die Drake-Gleichung.

N = R*fpneflfifcL

Schließlich sah ich Licht am Ende des Tunnels und ein Funke Hoffnung keimte auf in meiner Nutzlosigkeit für das Weltgeschehen. Aber widerlegte doch irgendwie die These, dass man für mathematische Formeln logisches Denken und analytisches Denken brauchte, von dem mir Letzteres ganz eindeutig fehlte.

Ein Plan keimte in mir auf. Was sollte sie nun bedeuten, fragte ich mich und diese Kombination aus Buchstaben Multiplikationen, Sternchen und Gleichung sah ja auch schwierig und komplex aus, aber ich war in Problemlösungsstimmung und schaute mir dieses Rätsel genauer an.

Was hatte Mr. Drake sich da nur zusammengebastelt 1961? Wenn dies nicht mal mehr dubios als grandios war.

So viel sei gesagt: es hat gewiss nichts mit Drachen zu tun. Das wäre nun auch zu einfach gewesen, doch es ist schon ziemlich nahe dran. Da hatte er sich also eines schönen Tages überlegt, eine Formel zur Abschätzung der Anzahl intelligenter, ausserirdischer Zivilisationen in der Milchstrasse zu entwickeln.

Und was nehme man dafür?

Einfach 7 Faktoren, von denen die meisten unbekannt sind. Da kann man auch nicht viel falsch machen. Zum Beispiel die Anzahl der Planeten mit lebensfreundlichen Bedingungen. Da forschten die Forscher ganz phantasielos ständig nur nach Wasser, als ob dies das einzige Kriterium für Leben sei. Aber was, wenn die kleinen, grünen Männchen gar kein Wasser brauchten? Ist auf die Idee denn noch keiner gekommen? Vielleicht fliegen sie ja alle auf dem kalten Uranus umher und erfreuen sich am Helium.

Dann fragt die Formel nach der Anzahl der Planeten mit Leben. Da fällt mir spontan nur das Beispiel Erde ein, aber sicher haben manche Verschwörungstheoretiker bei dem Faktor bereits andere Beispiele hinzuzufügen. Die Area 51 soll ja mindestens schon einen ausserirdischen Untermieter haben.

Dann gibt es noch den Faktor für die Anzahl an Planeten mit intelligentem Leben, wobei »Intelligent» ja auch viel Raum für Interpretationen bietet, wenn als einziges fragwürdiges Beispiel und Maßstab bis jetzt nur der Mensch bekannt ist.

Die Anzahl an Planeten mit Interesse an interstellarer Kommunikation war hingegen leicht zu beantworten, denn anscheinend hatte bis jetzt niemand Lust mit uns zu kommunizieren.

Warum auch? Keiner da? Alle weg? Alle versteckt?

Diese Gleichung verstand sogar ich noch. Da musste ein Astrophysiker also einfach eine Gleichung erstellen mit lauter unbekannten Faktoren und schon sah das Ganze ziemlich mathematisch ausgeklügelt aus. Das würde ich doch auch noch hinbekommen und könnte vielleicht mein Aufstieg werden, auch wenn es nur das Interesse von ein paar SETI-Anhängern und Verschwörungstheoretikern wecken würde.

Egal, ich würde mich gleich besser fühlen. Die Macht der Autosuggestion.

Was sollte meine Formel werden?

Nach intensiver Studie war es soweit:

Y = D ∙ Z2

Meine erste eigene Formel nach einer Phase wissenschaftlicher Recherche und kreativer Überlegungen über die Welt, das Universum und das Leben an sich. Wenn sich das nicht bedeutsam anhörte, so fühlte es sich doch ziemlich grossartig an. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein grosser Schritt für mich.

Im schlimmsten Falle. Aber was hatte es nun auf sich damit? Ganz einfach.

Y ersetzte ich für X, weil ich den Buchstaben schöner finde und steht für die Möglichkeit der Dinosaurier, wieder die Erde zu besiedeln.

D steht für die Anpassungsfähigkeit des Erbguts der Nachfahren der Dinosaurier, also der Reptilien, sich wieder so zu verändern, dass sich ein Dinosaurier entwickelt.

Z steht für die Zeitspanne, in der das passieren wird.

Zum Quadrat fügte ich hinzu, weil eine quadratische Formel nun mal komplexer aussieht und ich füge einfach noch hinzu, dass es sich auch entscheidend auf den Inhalt und das Ergebnis auswirkt, um meine Glaubwürdigkeit zu erhöhen.

In diesem Detail steckte vielleicht noch ein wenig der Wurm drin. Ich behaupte nun aber nicht, dass die Formel völlig ausgereift ist. Es reichte mir aber für den Beweis, dass ich einen Funken mathematisches Verständnis besass und nicht in ewiger Verdammnis in philosophischer Runde schmoren musste.

Zumindest solange, bis jemand mir den Gegenbeweis für meine bahnbrechende Formel brachte.

So hatte ich zumindest erstmal meine eigene mathematische Formel entwickelt und Wissenschaftler oder gelangweilte Verschwörungstheoretiker konnten loslegen mit der Lösung des Problems.

Solange konnte ich seelenruhig in der Illusion weiterleben, dass ich Mathematikverstand besaß und die Welt verstand.

Und falls mir jemand sagte, dass sei totaler Quark, dann erstellte ich vielleicht einfach eine neue Formel, denn wie ich merkte bei meiner Recherche, machten dies so einige, erstellten weiter lustige Theorien über das Universum und es lebte sich anscheinend ganz gut damit.

Auf ihrer kleinen Wolke, in einer Illusion.

Die Formel der Welt hatte ich nicht gefunden, aber doch mal wieder gemerkt, dass manchmal einfach alles relativ ist und überstieg die Welt mal wieder meinen Verstand, nahm ich es einfach selber in die Hand.